WIDERSPRUCH CHOWANETZ
"FREIE" BEWEISWÜRDIGUNG DOKUMENTENVERZEICHNIS

Widerspruch Chowanetz
In der Urteilsbegründung des Urteils des Amtsgerichts Starnberg im Verfahren Chowanetz gegen Lochte (AZ: 2 C 1044/02) vom 21.05.2003, Seite 5, Ziffer 1, Absatz 1, dritter Satz schreibt der Amtsrichter Dr. Günther R im dritten Satz:
Nachdem der Kläger selbst vortrug, dass der genannte Zeuge Dr. S nichts dazu aussagen könne, obgleich er mit Schriftsatz vom 5.9.2002 auf S. 3 Ziff. 4 vortragen ließ, der Beklagte habe auf seiner unwahren Behauptung anläßlich der Vermittlung beharrt, ist alleine die Aussage des Zeugen Schäfer maßgebend.
Den hier angesprochenen Widerspruch von Chowanetz wollen wir nachgehen:
. Klagevortrag Chowanetz
In der Klage vom 07.06.2002 hatte Chowanetz auf Seite 3 vortragen lassen, dass Thomas Lochte am 05.10.2001 in Gegenwart etlicher Schachspieler in den Clubräumen die wahrheitswidrige Behauptung wiederholte, er, (Chowanetz) hätte trotz eines Remisangebots seines Gegners auf der eigenen Niederlage bestanden. Diesesmal hätte Lochte sich sogar dazu verstigen, den ehemaligen Vorsitzenden des Schachclubs, Herrn Kurt E, als Zeugen für diesen Sachverhalt zu benennen. Dieser dementierte freilich gegenüber Chowanetz, derartiges bestätigen zu können.
Als Zeuge benannte er Matthias Schäfer.
. Klageerwiderung Lochte
Lochte antwortet in der Klageerwiderung vom 19.07.2002 hierzu :
Er, Lochte, beteiligte sich am 05.10.01 in den Clubräumen an einem Gespräch zwischen Chowanetz und Dr. S. Es ging um die Zeitungsberichtserstattung zu dem Vergleichskampf. Dr. S. versuchte Chowanetz zu beruhigen und zwischen den Vereinskameraden zu vermitteln. Dabei stellte der Bekl. klar, dass er sich für das, was er mit eigenen Augen gesehen und selbst gehört habe, nicht entschuldigen könne. Seine anfängliche Fehlinterpretation täte ihm leid, ebenso, wenn es deshalb zu Missverständnissen in der Lokalpresse gekommen sein sollte. Der Kläger wollte sich damit aber nicht zufrieden geben.
Der Vortrag von Chowanetz ist klar. Er beschuldigt Lochte, am 05.10.2001 Kurt E als falschen Zeugen zur Stützung seiner wahrheitswidrigen Behauptung benannt zu haben.
Aber was erwiderte Lochte?
Er berichtet von einem Gespräch am 05.10.2001 zwischen Dr. S, Chowanetz und ihm selbst
(Lochte). Dieses Gespräch fand zu einem anderen Zeitpunkt und unter Beteiligung eines anderen Personenkreises statt als das Gespräch, in dem Lochte glaubte, einen falschen Zeugen bemühen zu müssen und welches Gegenstand des 4. Beweisthemas war. Hier werfen die Einlassungen Lochtes mehr Fragen auf, als sie beantworten. Einerseits behauptete er, er habe klargestellt, "dass er sich für das, was er mit eigenen Augen gesehen und selbst gehört habe, nicht entschuldigen könne" und andererseits will er seine "anfängliche Fehlinterpretation" und auch die "Missverständnisse in der Lokalpresse" bedauert haben.
. Schreiben Chowanetz vom 05.09.2002
Betrachten wir das Verhalten von Thomas Lochte über einen längeren Zeitraum, so ist die Möglichkeit eines "Missverständnisses" alleine schon durch sein Verhalten mit Sicherheit ausgeschlossen.
Die Behauptung Lochtes, er hätte eine angebliche "Fehlinterpretation" und auch die "Missverständnisse in der Lokalpresse" bedauert, veranlaßten Chowanetz in dem vom Gericht in der Urteilsbegründung zitierten Schriftsatz vom 5.9.2002 auf S. 3 Ziff. 4 folgendes vortragen zu lassen:
Die Behauptung des Beklagten, er hätte am 5.10, klargestellt, daß ihm die anfängliche Fehlinterpretation leid tun würde, ist wiederum frei erfunden.
Richtig ist vielmehr, daß der Beklagte sich zahlreichen Versuchen, den Streit außergerichtlich zu bereinigen, widersetzte.
Noch zwischen dem 15.10. und 18.10.2001 - also lange nach dem Gespräch vom 5.10. - bemühte sich der Vorsitzende des Schachclubs Starnberg, der dafür zum B e w e i s als Zeuge angebotene
Herr Dr. S,
um die Vermittlung eines persönlichen Gesprächs zwischen dem Beklagten und dem Kläger. Auch in diesem Zusammenhang beharrte der Beklagte auf seiner unwahren Behauptung, so dass ein persönliches Gespräch nicht zustande kam.
. Beweisbeschluss Nummer 5
Durch Beschluss vom 02.10.2002, Ziffer 5 sollte Beweis erhoben werden durch Einvernahme von Dr. Gerhard S zur Behauptung von Chowanetz, dass
der Beklagte auch anschließend bei einem Schlichtungsgespräch zwischen dem 15.10. und 18.10.2001 behauptet habe, er habe ein Remisangebot seines Gegenspielers Jan O ausgeschlagen habe.
. Lochtes Beharren
Chowanetz empfand die Beweisbeschlüsse Nummer 4 und 5 als einen Versuch, ihn auf´s Glatteis zu führen. (siehe auch Beweisbeschluss Nummer 4) Er hatte Dr. Günther R während der Verhandlung am 12.09.2002 kennengelernt und bei dieser Gelegenheit den Eindruck gewonnen, dass dieser ihm nicht wohlgesonnen sei. Chowanetz wollte die Frage, ob Lochte weiterhin auf seine vermeintliche Beobachtung bestand, nicht auf die Frage zugespitzt haben, ob er dies auch an den Tagen zwischen dem 15.10. und 18.10.2001 bei einem Schlichtungsgespräch expliziet gegenüber Herrn Dr. S behauptet habe. Selbstverständlich war das gesamte Verhalten von Thomas Lochte von seinem Beharren auf seinem Standpunkt geprägt.
Chowanetz hatte diesbezüglich umfassend vorgetragen.
1. Klageschriftsatz vom 07.06.2002, Seite 3. Absatz 3:
Chowanetz rief daraufhin (am 29.09.2001) Lochte an, der gar nicht bestritt, die Falschinformation an Herrn Schäfer weitergegeben zu haben. Er beharrte in diesem Telefonat aber darauf, mit eigenen Augen gesehen zu haben, daß Chowanetz ein ihm angebotenes Remis ausgeschlagen habe. Chowanetzr erklärte Lochte daraufhin, daß er den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen könne, sondern eine Richtigstellung gegenüber der Zeitung sowie eine schriftliche Entschuldigung erwarte, worauf Lochte erklärte, Chowanetz "könne ihn mal", und aufhängte.
Dieser Vortrag blieb unbestritten.
Spricht so jemand, der ein "Missverständnis" mitverursacht hat? Falls ein Verständigungsfehler zwischen Lochte und Schäfer vorgelegen hätte, wäre dieser hier ohne große Mühe aus der Welt zu schaffen gewesen. Die Handlungen des Beklagten ergeben kontinuierlich ein Bild, welches in krassem Gegensatz hierzu steht. Erinnert sei an die zahlreichen Schlichtungsversuche innerhalb des Clubs, denen sich der Beklagte verweigerte (Auch dies wurde dem Gericht am 05.09.2002, Seite 2, Punkt 4 vorgetragen) und die zweimaligen Totalverweigerungen anlässlich des amtlichen Schlichtungsverfahrens. Die Weigerung, die Unterlassungserklärung zu unterschreiben zeichnen gleiches Bild.
Hätten wir es hier wirklich mit einem Mißverständnis zu tun, wäre es doch eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass der Beklagte freundschaftlich auf die Beteiligten zugegangen wäre und man dieses "Missverständnis" gemeinsam aus der Welt geschafft hätte. Dies umsomehr, da die Beteiligten sich nicht fremd, sondern langjährige Mitglieder im gleichen Verein waren.
2. Klageschriftsatz vom 07.06.2002, Seite 3. Absatz 4:
Lochte hatte am 05.10.2001 einen falschen Zeugen benannt, der seine angebliche Beobachtung gleichfalls gesehen haben sollte, was dieser in Abrede stellte.
Dieser Sachverhalt sollte durch Beweisbeschluss Nummer 4 geklärt werden.
3. Schreiben Chowanetz an das Gericht vom 18.09.02, Seite 5, Ziffer 5,Absatz 2 unten:
Selbst Wochen nach der erstmaligen Weitergabe der Falschinformation habe er (Lochte) gegenüber der Zeitung auf seiner Falschmeldung beharrt.
So hätte Matthias Schäfer hierzu während der Vernehmung durch die Polizei am 27.11.2001 zu Protokoll gegeben: "Herr M-W(sein Chefredakteur) gab mir dann die Anweisung (am 25.10.2001), eine Gegendarstellung zu verfassen. Zu einer Richtigstellung wären wir nicht verpflichtet, denn Herr Lochte beharrte weiterhin auf seiner Aussage, die kontrovers zu der von Herrn Chowanetz war." (Wohlgemerkt war Thomas Lochte und Matthias Schäfer beide Mitarbeiter des Starnberger Merkurs und Herr M-W wußte wovon er sprach!)
Dies stellte Chowanetz im Schreiben vom 18.09.2002 unter Beweis: Vernehmungsprotokoll von Matthias Schäfer bei der Polizei Starnberg vom 27.11.2001, Seite 2, Absatz 2
4. Klageschriftsatz vom 07.06.2002, Seite 3. Absatz 5:
Da sich der Beklagte von dieser Behauptung nicht distanziert habe, sah sich Herr Schäfer wiederum veranlaßt, in einem weiteren Artikel über die Jahresversammlung des Schachklubs Starnberg, der ebenfalls als Anlage K2 in Kopie beigefügt sei, unter der Überschrift "Remisangebot ja oder nein", den Sachverhalt so darzustellen, als sei völlig unklar, ob die Behauptungen des Beklagten nicht vielleicht doch richtig wären.
. Chowanetz wendet sich an seinen Anwalt
Mit Schreiben vom 31.10.2002 teilte Chowanetz seinem Anwalt Klaus B seine Bedenken hinsichtlich des 4. und 5. Beweispunktes mit und bat ihn, er möge darauf hinwirken, dass der Beweisbeschluß entsprechend unserer Beweisangeboten ergänzt, bzw. korrigiert würde?
Per E-Mail vom 02.11.2002 antwortet RA B, dass eine Berichtigung des Beweisbeschlusses nicht erforderlich sei. Für das Ergebnis der Beweisaufnahme komme es nicht auf den Inhalt des Beschlusses an, sondern auf den Inhalt der Zeugenaussagen. Außerdem würde der Zeuge Schäfer ohnehin geladen und könne deshalb selbstverständlich im Beweistermin auch befragt werden, wann und wie oft der Beklagte auf der fraglichen falschen Sachdarstellung beharrt oder diese wiederholt hätte.
. Chowanetz schreibt dem Gericht
Am 17.11.2002 schreibt Chowanetz in einem Brief seine Bedenken an das Amtsgericht.
Dr. S sei von ihm als Zeuge für den Umstand angeboten,dass der Beklagte sich zahlreichen internen Schlichtungsversuchen verweigerte. Dr. S sei von ihm nicht als Zeuge dafür angeboten, dass der Beklagte auch am 05.10.2001 im Beisein mehrerer Spieler vor einem Schachtunier wiederholt habe, dass er am 21.09.2001 auf ein Remisangebot seines Gegenspielers O auf einer Niederlage bestanden habe. An dem Abend des 05.10.2001 sei Dr. S zwar anwesend, jedoch bei dem hier geschilderten Vorfall nicht zugegen gewesen.
Für den hier zu beweisenden Vorfall habe er Herrn Matthias Schäfer als Zeugen angeboten. Er sei zugegen gewesen, als Lochte am 05.10.2001 auf den Vorhalt, er sage fortgesetzt die Unwahrheit, sich dazu hinreißen ließ, den ehemaligen Vorsitzenden Kurt E als Zeugen zu benennen. Lochte habe behauptet, Kurt E hätte ebenfalls gesehen, dass er (Chowanetz) trotz eines Remisangebots seines Gegners auf einer Niederlage bestanden habe. Herr Kurt E habe dies in einem kurz darauf geführten Telefonat Chowanetz gegenüber dementiert. Herr Matthias Schäfer habe am 24.10.2001 in den Redaktionsräumen des Starnberger Merkurs in Gegenwart des Chefredakteurs M-W bestätigt, dass er (Schäfer) bei dem Vorfall zugegen gewesen sei und sich daran erinnere.
Warum solle Dr. S dahingehend als Zeuge vernommen werden, dass der Beklagte auch anschließend bei einem Schlichtungsgespräch zwischen dem 15.10. und 18.10 behauptet habe, er (Chowanetz) habe ein Remisangebot meines Gegenspielers Jan O ausgeschlagen? Er wüßte nicht, was der Beklagte gegenüber Dr. S gesagt hat. Er habe Herrn Dr. S hierfür auch nicht als Zeuge angeboten.
Dass der Beklagte noch in der zweiten Oktoberhälfte auf seine Falschinformation bestanden habe ergäbe sich eindeutig aus der Vernehmung des Matthias Schäfers durch die Polizei am 27.11.2001. Er gab hier zu Protokoll: "Herr M-W gab mir dann die Anweisung (am 25.10.2001), eine Gegendarstellung zu verfassen. Zu einer Richtigstellung wären wir nicht verpflichtet, denn Herr Lochte beharrte weiterhin auf seiner Aussage, die kontrovers zu der von Herrn Chowanetz war."
Dies und den Zeugen Schäfer habe er hierzu als Beweis angeboten.
. Das Gericht schreibt dem Anwalt von Chowanetz
Am 18.11.2002 schreibt das Amtsgericht an RA B:
Anliegendes Schriftstück wird übersandt mit der Bitte um Kenntnisnahme und Mitteilung, ob auf den Zeugen Dr. S verzichtet wird.
. Der Anwalt von Chowanetz antwortet dem Gericht
Am 22.11.2002 antwortet Dr. B:
In Sachen Chowanetz / Lochte, Aktenzeichen: 2 C 1044/02 ist dem Schriftsatz des Klägers vom 17.11.2002 zu entnehmen, daß das Beweisangebot des Zeugen Dr. S auf die Tatsache beschränkt wird, dass sich der Beklagte zahlreichen vereinsinternen Schlichtungsversuchen verweigert hat.
Sollte das Gericht diesen Umstand nicht für beweiserheblich ansehen, wird der Zeuge Dr. S selbstverständlich nicht benötigt.
. Das Gericht lädt den Zeugen Strecker ab
Mit Schreiben vom 26.11.2006 teilt das Gericht mit,
dass der Zeuge Dr. S für den Termin am 19.12.2002 abgeladen wurde.
. Chowanetz beweist nochmals das Beharren Lochtes
Bis zum 02.10.2002 (dem Beweis-Beschluss) wurde dem Gericht das Verhalten von Lochte im Anschluss an die falsche Information von Matthias Schäfer mit obigen Vorträgen Ziffern 1 bis 4 dargelegt. Am 08.01.2003 legte Chowanetz einen weiteren Beweis vor, der ein Beharren Lochtes sogar bis nach Beginn des Verfahrens Chowanetz / Lochte am 07.06.02 dokumentiert:
5. Schreiben Chowanetz an das Amtsgericht vom 08.01.2003, Seite 6, Ziffer 3.8:
Thomas Lochte habe es vor einem halben Jahr noch nicht für notwendig gehalten, sich hinter einer Schutzbehauptung zu verstecken. Noch am 12.07.2002 habe er bei einer Vorstandssitzung des Schachclubs Starnberg folgendermaßen argumentiert:
"Aus seiner Sicht (Lochte) ist es für einen Verein nicht akzeptabel, dass Klagen gegen seine Funktionsträger erhoben werden, die bei Wettkämpfen vor Ort Entscheidungen zu treffen haben. Seine Äußerungen (Lochte) entsprachen seiner subjektiven Wahrnehmungen über das Ende der Partie von A. Chowanetz, die einem Schiedsrichter zugestanden werden müssen. "
Als Beweis legte Chowanetz das Protokoll der Vorstandssitzung des Schachklub Starnberg vom 12.07.2002 vor.
. Zusammenfassung
Es trifft zu, dass Chowanetz im Schreiben vom 05.09.2002 Herrn Dr. S als Zeugen dafür anbot, dass er (Dr. S) sich noch zwischen dem 15.10. und 18.10.2001 um die Vermittlung eines persönlichen Gesprächs zwischen Lochte und Chowanetz bemühte und Lochte auch in diesem Zusammenhang auf seiner unwahren Behauptung beharrte, so dass ein persönliches Gespräch (zwischen Chowanetz und Lochte) nicht zustande kam.
Der Eindruck, den Dr. Günther R mit dem dritten Satz seine Urteilsbegründung erzeugt, dass Chowanetz im Widerspruch zu seinem Schreiben vom 05.09.2002 selbst vortrug, dass der genannte Zeuge Dr. S dazu nichts aussagen könne und deshalb alleine die Aussage des Zeugen Schäfer maßgebend gewesen sei, trifft nicht zu, wie aus der obigen Zusammenfassung ersichtlich ist.


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